Über mich

Mein Bild
Paint a picture, clear cut and pale on a cold winters day, shapes and cool light wander the streets, like an army of strays on a cold winters day. Will you let me romanticize the beauty in our London skies? You know the sunlight always shines behind the clouds of London skies.

Freitag, 28. Oktober 2011

Alltag, der nie alltäglich ist.

Wo fang ich an, wo hör ich auf? Die nächsten Absätze sind sicher nicht nach Datum geordnet, ich hoffe ihr könnt mir trotzdem folgen.

Meine Straße :)Meine Straße

Der „Dare to Differ“ Kurs hat nun begonnen seit meinem letzten Artikel. Das ist ein Angebot meiner Organisation für junge Menschen die vor kurzem nach England gezogen sind, vor allem für die Au-Pairs von In-VIA. Er thematisiert immer wieder andere Aspekte des Lebens in Großbritannien und seine Unterschiede zu Deutschland. Am ersten Samstagnachmittag hielt ein Tweed-Jacke und Hornbrille tragender Journalist einen Vortrag über britische Politik und Korruption. Sehr ehrlich und (fast) unparteiisch erzählte er verschiedensten Schwank und unglaubliche Affären aus längst vergangener Politikgeschichte bis hin zu neusten Entwicklungen und gab persönliche Zukunftsausblicke in Hinsicht auf die Wirtschaft in England und ganz Europa. Wäre der Mann ein Professor an einer Uni, wäre ich glücklich bei ihm in einer Vorlesung sitzen zu dürfen. Es war wirklich spannend endlich mal über eine andere Nation Dinge zu lernen, die man in Deutschland im Sozialkunde-Unterricht tausend mal durchgekaut hat, nur eben ausschließlich über das Land, in dem man sowieso schon so lange gelebt hat.

Poetry Slam mit Birmanischen Reimen

Mit Lina war ich an einem Mittwoch bei einem Poetry Slam in einem Oxfam Büchershop in Marylebone. Wir waren mal wieder etwas spät dran, haben dafür aber auch ohne Studentenausweis den kleineren Eintritt gezahlt. Das herausragendste Ereignis des Abends war definitiv der Poet aus Birma. Er war zum ersten Mal in London, nur wegen dem Event angereist und hat auf seine Muttersprache, Birmanisch, vorgelesen. Alles, was man neben der definitiv asiatisch klingenden Melodie verstanden hat, war einmal das Wort „facebook“... und wie immer, als ich heim ging, habe ich die lebendige Nacht in meiner neuen Stadt genossen. Da mag ich sie am liebsten.
Ich bin so froh für meine Lina hier. Ich habe das Gefühl als würde ich sie schon viel länger kennen als knapp einen Monat. Das macht das Leben weit weg von zu Hause viel leichter, weil man immer jemanden hat, mit dem man Unternehmungen planen kann, dem man Neuigkeiten erzählen und über Kleinigkeiten lachen kann, mit dem man Abenteuer erleben und die Stadt entdecken kann.

freitäglicher Spaß im Pub

Und dank Julian haben wir eines Freitagabends den möglicherweise besten Club der Stadt besucht. Gehört hatte man vom „Koko“ in Camen Town auch schon vorher. Alle Zivis haben in ihrer Sammelmappe darüber berichtet und sind dort auch oft mit Lo-Co hingegangen. Die ganzen jungen und noch relativ unbekannten Bands aus England und auch aus dem Rest der Welt finden dort eine großartige Bühne um sich live zu beweisen. Zusammen mit drei sehr englischen Jugendlichen (George, Shannon and Lewis) haben wir „Live in Film“ und deren Vorband „Dale Earnhardt Jr. Jr.“
. erlebt, wobei die Vorband eigentlich viel besser war. Am tollsten jedoch fand ich die Location. Es sieht dort aus wie in einem kleinen Theater, fast wie in einer Oper. Mit Loge-Plätzen und mehreren Ebenen in einem sehr hohen Raum, alles ist in Rot und Gold getaucht und der Stuck glitzert durch die riesige Discokugel, die den traditionellen Lüster in der Oper ersetzt. Dieser Ort wird mich wieder sehen, ganz bestimmt.

Veronika arbeitend beim Bring & Buy

Wovon wollte ich denn noch erzählen? Ach ja, von unserer ungarischen Woche: Dienstag ist Luncheon Club Tag. Alle paar Dienstage treffen sich die (liebevoll „Y-Mitglieder“ genannten) Oldies zum Lunch bei uns im Hotelrestaurant für ein Zwei- oder Dreigängemenü. Diesen Dienstag gab es passend zum Wochenthema Gulasch (nicht zu scharf für unsere älteren Damen und Herren) und danach einen Film mit Lilo Pulver, der im schönen Ungarn spielt. Obwohl er doch schon ein paar Jahre auf dem Rücken hat fand ich ihn überraschenderweise wirklich lustig, nur mit dem Ende waren wir Zuschauer etwas unzufrieden. Am Mittwoch, dem Musiktag mit Peter, legte selbiger Scheiben ungarischen Musikguts auf. Wir kamen in den Genuss von Brahms‘ ungarischen Liedern, komplizierten Klavierstücken von Franz Liszt, Gypsy-Musik und berühmten ungarischen Volksweisen. Würde Liszt noch leben wäre er diese Woche übrigens 200 Jahre alt geworden ;) ich sag‘s euch, nach diesem Jahr bin ich Klassikprofi erster Güte ;)
Zum Abschluss des Ungarnmarathons hat Udo am Donnerstag dann einen Vortrag über Budapest gehalten mit Bildern von seiner Reise in diese schöne Stadt diesen Frühsommer.


Letztes Wochenende habe ich trotz einer gemeinen Erkältung wieder kaum Zeit im Hotel verbracht. Freitags war Pubtag im Lieblingsschuppen und am Samstag war Freiwilligentag :) Ich hab die liebe Freiwillige im East End besucht. Sie hat mir ihr Seefahrer-Heim gezeigt, den Ort an dem sie arbeitet. Weil sie in einer weniger sicheren Gegend wohnt kann sie abends nicht ausgehen, aber zu zweit ist es kein Problem. So hab ich die tube in ihre Gegend genommen und meine Übernachtungssachen bei ihr in der Wohnung verstaut. Wir wollten uns dann abends mit einigen französischen Freiwilligen in einem Klub nahe King’s Cross zu einer EVS-Party treffen. Genau das haben wir auch getan, mit dem Zusatz einiger deutschen Freiwilligen, die auch gerade in London waren. Es ist immer wirklich interessant, mit anderen über Projekte, Kuriositäten und Erfahrungen zu reden und jeder hat so viel zu erzählen und generell sind die Meisten mit allem rundum zufrieden, was wirklich schön zu hören ist.

Blick vom neuen Shoppingcenter auf das neue Olympia-Stadion

Nicht, dass ihr nach meinen fast ausschließlich positiven Berichten denkt, hier wäre alles perfekt. Das ist es nicht, aber es ist schon ziemlich großartig. Klar vermisse ich Familie und Freunde zu Hause und mittlerweile verstreut in der ganzen Welt und ich habe auch nicht bei allem Glück. Zum Beispiel habe ich seit fast 2 Monaten keinen Internetanschluss bei mir im Zimmer. Genau wie die Zivis vor mir. Sie mussten sich in einen für alle Hotelangestellten zugänglichen Gemeinschaftsraum setzen und das Internet für die Hotelgäste für teures Geld nutzen. Das hat natürlich immer wieder Probleme gemacht und wirklich privat ist das nicht und wie gesagt, es würde auch ziemlich ins Geld gehen. Im Moment regt sich aber ein Hoffnungsschimmer. Der Hausmeister hat den Vorschlag gemacht, mir eine Leitung ins Zimmer zu legen, ausgehend vom Büro, sodass ich eben diesen Internetanschluss mit nutzen kann. Auch wenn der Technikbeauftragte dagegen ist, sieht das im Moment als mögliche Lösung aus, was eine unglaubliche Erleichterung wäre. Ich wünschte es wäre nicht so, aber man ist heutzutage einfach sehr abhängig von Internet (Kontakt nach Hause zu Freunden und Familie, Treffen mit Leuten in London ausmachen, News nachsehen, prüfen, welche U-Bahnen mal wieder geschlossen sind, was man am Wochenende machen kann…)

Diese Woche am Donnerstag steht ein weiteres großes YMCA-Event an. Drei Oldies werden ihre neue Show präsentieren. Seit sechs Jahren gibt es zweimal im Jahr eine neue Themenshow, deren Erlös an eine Charity-Organisation gegeben wird. Mit Witz, Charme und Verkleidung wissen die drei Männer genau, wie sie ihr Publikum zum Lachen, Staunen und Spenden bringen ;) ich bin an dem Tag die Beauftragte für die Kamera und werde alles auf Film festhalten, beinah professionell ;). Deshalb habe ich auch bei den Proben schon vorbeigeschaut und der wunderbare Frank hat nur für mich „Imagine“ von John Lennon zum Besten gegeben. Das war wieder so ein kleiner, schöner Moment in dem ich gemerkt habe, wie besonders dieses Jahr ist und welch ein Glückspilz ich doch bin, dass ich hier sein darf. Wobei es nicht nur Glück ist. Glück ist auch, was man aus den Chancen macht, die man kriegt.

Zum Schluss noch ein paar unwichtige Kleinigkeiten über mein Leben, die euch möglicherweise zum Schmunzeln bringen. Ich jedenfalls amüsiere mich meist selbst über diesen Firlefanz:
1. Ich habe einen Kühlschrank in meinem Zimmer, der durchaus Essbares enthält, allerdings nicht im Sinne seines Daseins. Ich missbrauche ihn als Vorratsschrank für leckere englische Kekse, Gummibärchen, Obst und meine Getränke. Bei so viel Essen in der Kantine wäre es pure Energieverschwendung, ihn ans Stromnetz anzuschließen und so nimmt er nicht bloß Platz weg sondern verschafft mir mehr Raum für all den Kram, den ich hier anhäufe.
2. Von meinem Zimmer aus kann ich hinter der gegenüberliegenden Häuserreihe einen Kirchturm hervorragen sehen. Allerdings gehört er keineswegs zu einer Kirche. Er ist an ein Wohnhaus gebunden. Die Gemeinde wollte kein Geld dafür ausgeben, das ehemalige Gotteshaus zu restaurieren und hat es folglich einfach so umgebaut zu einem Achtzigerjahre-Wohnungsbau und den Kirchturm aus nostalgiegründen behalten.
3. Da ich kein Internet in meinem Zimmer habe und das im Büro nur in den Mittagspausen nutzen kann, schreibe ich meine Mails immer Abends auf meinem Laptop, der damit immerhin einen Zweck hier erfüllt und nicht verstaubt rumsteht. Ich speichere die Nachrichten dann auf meinen USB-Stick und kopiere die Texte vom Word-Dokument in die Nachrichtenfelder, sodass ihr Rauchzeichen von mir empfangen könnt. Die Not macht erfinderisch ;)
4. Wenn ich zum Supermarkt oder zur Post im Queensway gehe bin ich im Libanon und wenn ich mich aufmache zu meiner Bank in der Edgewear Road, bin ich in Ägypten. In jedem Viertel gibt es eine andere Nationalität, deren Immigranten mehr oder weniger alle auf einem Fleck wohnen. Bayswater/Paddington, mein Viertel, ist fast Klein-Arabien. Überall sieht man Schischa-Cafés, arabische Schriftzeichen über englischen Erklärungen und libanesische Restaurants. London ist eine Stadt, die aus vielen Ländern besteht. Der Londoner ist jemand anderes als ein Engländer.
5. Mittlerweile trinke ich viel lieber guten englischen Tee mit Milch als Kaffee. Dafür einige Tassen mehr davon am Tag.
6. Nächstes Jahr darf ich den Londoner Bürgermeister mitwählen! Man muss sich zwar anmelden aber jeder, der in London zur Zeit der Wahl einen Wohnsitz hat, darf mitbestimmen. Dieses Mal ist die Wahl ein besonders wichtiges Event. Der Gewinner ist Bürgermeister während der Zeit von Olympia und dieses Prestige möchten natürlich viele für sich beanspruchen.
7. Die einzigen Produkte, die in diesem Land wirklich billiger sind als anderswo, sind pharmazeutische.

Ganz zum Ende möchte ich jetzt noch kurz meine Eltern grüßen, die wohl größten Fans dieses Blogs ;)

Ein kleiner Nachtrag: Gestern war ein Jubeltag; habe endlich eine wireless-Verbindung in meinem Zimmer. Bin jetzt überfordert mit all den Umlauten die ich wieder habe und weiß gar nicht so recht, was ich mit dem world wide web denn nun anfangen soll ;)

Dienstag, 11. Oktober 2011

New English Adventures.

Hallo Freunde der Sonne,

Ja, das Lieblingssmalltalk-Thema des Engländers ist definitiv das Wetter und darüber ließ sich in letzter Zeit tatsächlich nur Positives berichten. Sechs Tage lang kam England letzte Woche in den Genuss des so genannten Indischen Sommers, wie man hier den Altweibersommer nennt. Mit bis zu 29 Grad wurden wir beglückt und mein dritter oder vierter englischer Sonnenbrand seit einem Monat ließ nicht lange auf sich warten. Was sich anfühlte wie ein 3. August war in

Wahrheit der 3. Oktober (passend zum Tag der deutschen Einheit hatte ich meinen freien Tag mit Einkäufen in der Oxford Street und dem wunderbaren Sonnenschein im Hyde Park verbracht.), aber ab nun geht es wettertechnisch bergab, wie man munkelt und angeblich steht ein äußerst kalter Winter bevor. Vor allem weil hier der Wind so schneidend ist, wenn er durch die vielen Gassen pfeift.

ugly Bradford

Ein paar Wochen sind schon wieder ins Land gezogen und schon wieder gäbe es viel zu viel zu berichten. Also keine Zeit vertrödeln, lasst uns anfangen mit weiteren Abenteuern der Veronika in London:
Mein Projekt „London Connection“ (Lo-Co) hat endlich begonnen und einen erfolgreichen ersten Freitagabend hinter sich gebracht :) zusammen mit einigen lieben Mädls sind wir zur Bowling- und Schlittschuh-Bahn im Queensway getigert und haben versucht, möglichst viele Kegel umzuwerfen. Ich persönlich bin wohl nicht sonderlich begabt in dieser Sportart aber nichtsdestotrotz hatte ich einen sehr lustigen Abend der im Pub gegenüber dem Hotel, in dem ich nun seit 1,5 Monaten wohne, mit einem gemütlichen Cider geendet hat.

Veronika mit den beiden lieben Oldies Frank und Marion

Etwas unglaublich aufregendes habe ich übrigens auch schon erlebt: habe den noch verbliebenen Teil der großen Beatles gesehen: Paul McCartney und Ringo Starr!!! Da schlug mein Beatles-Herz bis nach oben zum Hals, meine Lieben, das könnt ihr mir glauben! Es war an einem Sonntagvormittag und ich habe beim Frühstück in der Kantine übers Fernsehen mitbekommen, dass Sir Paul an dem Tag das dritte Mal in seinem Leben heiraten wird und zwar im Marylebone register office. Wo genau das ist wusste ich nicht aber, dass es in meiner Nachbarschaft ist. Auch wenn ich nicht damit rechnete es noch dahin zu schaffen habe ich mich zumindest in die Richtung in den Bezirk Marylebone begeben, da ich dem Regents Park sowieso seit einiger Zeit mal einen Besuch abstatten wollte. Aber da, tatsächlich, als ich gerade in eine Straße in Richtung des Parks biegen wollte sehe ich einen Menschenauflauf und viele Kameras und Polizisten… zusammen mit einigen Leuten die eher zufällig vorbeikamen stand ich dann also gegenüber des besagten Gebäudes und habe mit Spannung beobachten können wie Zäune für Schaulustige und Kamerastative aufgebaut wurden und nach und nach die wenigen (15 an der Zahl) Gäste eintrudelten. Darunter auch: Ringo und seine Ex-Bond-Girl Frau (auch wenn zwei blonde Schwedinnen hinter mir die ganze Zeit „Eric Clapton!! Eric Clapton!“ gebrüllt haben :D es war definitiv Ringo :D) und wie ihr an dem Beweisfoto sehen könnt: auch Sir Paul und seine da noch Verlobte sind mir nicht entgangen! Um den Beatles-Tag für mich noch abzurunden bin ich durch Zufall danach am Beatles Shop vorbeigelaufen :)

wunderschoener Apfelbaumgarten

Arbeitstechnisch stand auch ein größeres Ereignis an. Der Bring & Buy fand statt in unserer hoteleigenen Lancaster Hall. Zwar hatten Udo und ich am Tag zuvor schon alle Tische zurechtgerückt und fast alle Tüten und Kisten vom Keller nach oben geschleppt, aber die ganzen „bits and pieces“ mussten nun noch ausgepackt, sortiert, aussortiert und aufgebaut werden. Den Nachmittag verbrachte ich hinter der Essensausgabe zusammen mit dem wunderbaren Engländer Frank, einem unsrer treuesten Oldies. Es gab „German cake“, Brezen, Kartoffelsalat und Bratwurst, Frankfurter und sogar: Weißwurst (von einem bayrischen Mädl getestet und tatsächlich für genießbar befunden!) Ich selbst habe mir natürlich auch ein paar Kleinigkeiten vom Wühltisch gehamstert. Vor allem wieder Bücher, sodass ich mittlerweile in meinem Zimmer fast schon eine kleine Bibliothek aufmachen könnte. Ich sollte vermutlich endlich mal anfangen die alle zu lesen. Aber in dieser aufregenden Stadt kommt man kaum zu ruhigen Minuten. Genau das kann ich aber sehr genießen müsst ihr wissen. Ich gewöhne mich richtig an mein Stadtleben und möchte es vorerst nicht missen. Außerdem komme ich manchmal doch raus aus London, wie ihr gleich lesen könnt.

Chartwell House

Abenteuer außerhalb von London:
Am 1. Oktober stand der 151. Jahresausflug der German YMCA auf dem Programm und dieses Jahr führte er meine Oldies, einige Au-Pairs, die Angestellten meiner Organisation und mich zu den Chartwell und Rowfant Houses. Beide stehen in Verbindung mit Winston Churchill, jenem beliebten englischen Politiker zur Zeit des 2. Weltkrieges. Um mit den Worten Churchills zu beginnen: „A day out of Chartwell is a lost day“. Und das ist ganz verständlich. Wunderschöne Felder umringt von Baumgruppen, Seen, Bächen und Tümpel liegen auf dem Anwesen, welches von einer Mauer aus dem beliebten roten Ziegelsteinen umringt wird. Der, typisch englisch, glattgemähte Rasen passt perfekt zu dem großen, alten Backsteinhaus. Nachdem wir uns im noch original möblierten Haus, das nun ein Museum ist, umgesehen hatten und unser Wissen rund um die Politgröße erweiter haben, verbrachten wir den Rest der Zeit gemütlich herumwandernd in Lady Churchills Rosengarten, dem Tierfriedhof, am Teich und bei den Statuen, dem Apfelbaumgarten und Winstons Atelier. Der gute Mann konnte nicht nur zeichnen und malen, sondern auch schreiben (er war Träger des Nobelpreises für Literatur!) und vor allem viel Wissen sammeln und Menschenmassen für sich gewinnen. Auch sein Geschmack für Häuser ist unbestreitbar vorzüglich. Nach diesem schönen Nachmittag brachte uns der Bus weiter zum Rowfant House, wo ein perfekter Afternoon Tea mit typischen Spezialitäten (English scones und cakes ) auf uns wartete. Im anschließenden ökumenischen Gottesdienst wurde mir wegen der Tradition aus Zivi-Zeiten die Ehre zuteil, die Lesung zu lesen, wofür ich von meinen Oldies für meine Aussprache sehr gelobt wurde (Pharisäer auf Englisch aussprechen habe ich zuvor noch fleißig geübt ;).

Medienevent von hinten

Letzte Woche bin ich dann auch meiner „Pflicht“ als Europäischer Volontärin nachgegangen und habe mich in einen Zug von London, King‘s Cross, nach Bradford gesetzt (leider nicht in den Hogwarts Express…), zum On-Arrival-Training. Bradford selbst ist eine unglaublich hässliche Stadt aus der Zeit der Industrialisierung. Die Leute auf den Straßen scheinen sich nur um sich selbst zu kümmern und nehmen ihre Umgebung so hin, wie sie sie schon immer gekannt haben. So waren auf einem Festival, welches als Stadtfest gedacht war, kaum Leute da und die meisten Häuser sehen heruntergekommen und leer aus. Das Hotel in dem wir die beiden Nächte verbrachten und das Essen dort war aber äußerst fein und auch das National Media Museum ist wirklich empfehlenswert. Nur schade, dass man so viele brillante Ideen und Ausstellungen in eine Stadt baut, die keine große Zukunft und vor allem keine Besucher dafür hat. Sieben Stockwerke voll mit gut überlegten, oft interaktiven Erlebnissen haben mehr verdient als 15 Besucher (so viele Freiwillige waren wir auf dem Seminar). Aber auch dieser Ort ist ein Teil Englands und kein unbedeutender. Dort standen die größten Stoff- und Wollfabriken von Großbritannien und die Fabrikgebäude stammen teilweise noch aus den Zeiten der industriellen Revolution. Immerhin konnten wir abends schön das Tanzbein schwingen, nachdem wir über Rechte und Pflichten von Freiwilligen informiert wurden und uns näher mit dem Land, in dem wir noch ein bisschen verweilen dürfen, beschäftigt haben. Zum Beispiel durften wir englische Spezialitäten ausprobieren wie Iron Brew, Victoria Cakes, Pork Pies, Marmite und vieles mehr und Bob, der Trainer, hat uns mit den verschiedensten Akzenten und Slangs verwirrt, die man so finden kann in der UK. Selbst wenn man durch vorherige Seminar schon einiges wusste über das EVS, so konnte ich doch noch ein neues Wissen anhäufen.

Sir Paul und seine hier noch Verlobte

Aus Zeitgründen liste ich hier nur stichpunktartig noch ein paar Ereignisse auf, die sich seit dem letzten Lebenszeichen aus Londinium noch ereignet haben:
- Ich habe die Tate Modern, ein Museum für Moderne Kunst, zusammen mit Lina, ihrer Mutter und deren Freund nachts besucht. Der Ausblick von den Balkons aus auf die Themse und die St. Pauls Cathedral war unbezahlbar, sowie der Spaß den es macht, dort selbst zu malen auf eine der vielen dafür bereitgestellten weißen Postkarten. Bei diesem Museum werde ich definitiv noch einmal vorbei schauen (im Moment läuft dort eine Gerhard Richter Austellung!).
- Obwohl wir die offizielle Krönung von Rapunzel zur Disney-Prinzessin im Schloss von Princess Diana ganz knapp verpasst haben, so konnten wir noch viele als Prinzessin verkleidete Mädchen in den Kensington Gardens spazieren gehen sehen. Nicht wenige von den süßen Püppchen hatten sogar einen farblich passenden, unechten Zopf bis zum Boden, der das Laub auf dem Boden der herbstlichen Parkwege aufwirbelte.
- Mit Karolin, einer sehr lieben Freiwilligen aus dem East End unterwegs und in „Little Venice“, an einem Arm der Themse entlangwandernd, habe ich mir gedacht, es wäre doch schön ein paar Wochen auf einem Hausboot zu wohnen. Wunderhübsch sehen die liebevoll bemalten langen dort Boote nämlich aus, mit ihren vielen Pflanzen als Gartenersatz am Ufer, den kreativen Namen und spannenden Bewohnern, die jedem Wetter trotzen.
- Ein tube-Automat hat meinen schönen zwanzig Pfundschein gefressen! Aber dank der Hilfe der wirklich immer netten Servicekräfte habe ich das Geld (nach einigen Minuten Wartezeit) wieder auf meine Oyster-Karte gebucht bekommen und dazu noch tausend Entschuldigungen des Managers. Höflichkeit ist hier sowieso Goldwert. Es kann gut mal vorkommen, dass man bei einem einfachen Einkauf fünfmal thank you hauchen muss um dem englischen Standard zu entsprechen und man kommt wunderbar durch die Stadt wenn man nur die paar Worte kennt: „thank you, sorry, excuse me“ und „please“ :)

Boote im Little Venice Kanal

Ich werde es einfach nicht müde, eben diese Stadt und ihre vielen Geheimnisse und Gesichter zu entdecken und mache mir berechtigte Sorgen, dass ein Jahr wohl nicht genug dafür ist. Zumal ich auch von dem Land England, eigentlich von der ganzen UK auch so Vieles wie möglich sehen will! Wenn man die richtigen Tipps und Tricks kennt kann man sogar hier unglaublich billig verreisen. Das, und wohin man unbedingt fahren sollte, habe ich auch beim EVS-Training gelernt und jetzt nagt das Reisefieber an mir :)
Vorerst bleib ich aber noch hier, es gibt ja noch genug für mich zu tun in meinem aufregenden London.

der Ausblick vom Tate Modern Balkon nachts

Liebe aus der großen Stadt,
Veronika