And change your city. 5 pence bezahlt man ab jetzt mehr auf Bus- und Tubefahrten, mal wieder Bauarbeiten überall. Wir haben neue Türen im Hotel und mehr Rattenfallen im Park. Leute kaufen sich Sportschuhe und werden fit, ich fühle mich fauler denn je ;) Dieses Jahr scheinen die Leute das alles wirklich ernst zu meinen, was sie sich fürs neue Jahr vorgenommen haben. Alles was ich vor habe ist den richtigen Studiengang zu finden und die Zeit in London so intensiv wie möglich zu nutzen oder auch nicht, schön will ich’s auf jeden Fall haben!
Was mich zu dem Gedanken bringt: Man sollte das ja nicht tun, darüber nachdenken, was man pro Tag so alles verpasst. Aber hier in einer Stadt, in der sowieso immer viel zu viel los ist und die Möglichkeiten unendlich scheinen, versäumt man pro Tag sogar noch viel mehr! Also habe ich mal überlegt, was ich so alles nicht gemacht habe dieses Wochenende: genug geschlafen zum Beispiel, im Fabrix in Holborn feiern gegangen, die Eisskulpturen-Competition besuchen, am vielversprechenden großen Vintagemarkt-Ausverkauf vorbeischlendern, The Artist im Kino ansehen war ich nicht, oder einen meiner Lieblingsstraßenmärkte besuchen. Ich habe mich auch nicht auf Studienseiten umgesehen, was ich wirklich machen wollte, oder auch nicht das Bild gemalt, das ich Peter schon so lange versprochen habe.
Aber stattdessen habe ich am Freitag meine Wäsche gemacht, bin mal wieder im Park „a Reim“ gegangen, habe den Nussknacker als Ballett im Saddler’s Wells Theater gesehen, habe ekliges Cider getrunken, habe bis 6 Uhr morgens in der Jungs-WG gesessen und dabei Unterhaltungen zwischen Schotten, Walisern, Engländern und Norddeutschen gelauscht, habe die ganze Verantwortung für das Konzert am Sonntag getragen bis kurz vor Beginn, da ich alleine bis dahin war, war mit Karo und Antonia im neuen Westfield Shopping Center einkaufen und bei Nando’s portugiesisches Hühnchen schlemmen, war beruflich einen Sigmund Freud gucken (testen, ob er programmtauglich ist. Habe Wörter wie manifester Trauminhalt, Unbewusstes oder Triebsteuerung fast schon vermisst…), habe hunderte von Briefmarken aus Umschlägen geschnitten, die die Oldies uns brachten (die Sammlung geht an die Bethel-Stiftung in Deutschland. Zwischen all den Königinnen-Köpfen und deutschen Alpenblümchen waren auch seltsame Marken dabei aus Sri Lanka, Singapur, Neuseeland, Japan, Hong Kong, Bahrain, Niederlande, Kanada, Jamaika, Südafrika…) unsere Oldies haben tatsächlich Freunde überall auf der Welt!
Dann habe ich noch erfahren, dass ich ab Mai Unterstützung in Form einer weiteren Freiwilligen bekomme. Anscheinend hat die Chefetage sogar schon jemanden ausgewählt und es länger schon geplant, erfahren habe ich es erst heute so nebenbei. Ich soll den alten Hasen spielen und dem neuen Häschen helfen, sich zurechtzufinden. Habe ich gar nichts dagegen und warte erfreut und hoffend auf meine Kollegin, die diese Stadt und die se Arbeit hoffentlich genauso wie ich zu schätzen weiß und lieben lernt.
Noch ein paar durchgewürfelte teilweise uninteressante Fakten:
Ich steh drauf, Fruchtsaft zu kaufen. Im Moment gibt es Passionsfrucht, als nächstes ist Litschi oder Guave dran.
Meine Mami hat mir ein Kissen geschickt, ein richtiges, quadratisches Federkissen, ein Traum!
Am Sonntag fahren Lina und ich nach Oxford.
Meine Schwester sagt ich bin so süß wie eine Tafel Schokolade.
Und: unser blinder Klavierstimmer hat mein Alter sofort korrekt erraten.
Foto aus dem Osten, auf dem Weg nach Hause von einem Hausbesuch im östlichsten Teil der Stadt.
Lasst euch drücken! Ich denk an euch.
xx

