Ich hab sie wiedergesehen! Die beiden Phantomgestalten von zu Hause! Lisa und Lisa haben es gemeinsam hierher geschafft. Mit mindestens 10% Verlust zwar (eine Lisa hat den Verlust ihrer Brille, die andere den ihrer Identität beklagt. Ja, Ausweis am Flughafen eingezogen. Zettel in die Hand gedrückt, nächster Halt deutsche Botschaft!), aber hey, immerhin warnse da. Und Übergangsweise ging die Heimreise mit Ersatzpapieren und verschwommenen Landschaften. Tag eins in London turbulent, Reise in meine Bude, dann Abreise Richtung Wandsworth, dort wo Charlotte wohnt. Diese Heldin hat uns vor dem Übernachtungstod bewahrt. Aufgenommen als wir Unterkunft brauchten, für ewig sind wir dankbar! Die Betten in zuckersüßen rosanen Zimmern kleiner pferdebegeisteter Mädchen waren superbequem und die Gastfreundschaft überragend. Der Samstagvormittag trieb uns raus nach Camden Town zum Markt. Bunt und quirlig, Sonne und leckeres Essen haben uns die Zeit versüßt und nachmittags haben wir Ben besucht, die Themse auch und den St. James Park, den Buckingham Palace, den Hyde Park. Richtig schöne Touri-Zeit bei Sonnenschein und Frühlingsstimmung. Dann kam der Sonntag, ab zur Victoria Station und rein in den Megabus (der war nicht mega, das Unternehmen heißt so. Verdient den Namen aber, 9 Pfund pro Nase nach Cardiff und zurück, keine Beschwerden. Danke.)
Also Cardiff selbst ist ja klein. Also nicht. Aber vergleicht es doch mal mit London. Genau, so klein. Aber dadurch viel weniger überlaufen, auch sonnig am ersten Tag und überschaubar. Neo, der da noch gesichtslose Mann, der uns für 3 Nächte aufnehmen würde kam auch mal an am Treffpunkt. Er wohnt sehr zentral. Eine seiner guten Eigenschaften. Davon gab es leider nicht so viele. Er war anhänglich, langweilig und sehr Ich-bezogen. Zu sehr. Und ständig darauf bedacht was mit uns zu unternehmen. Oder uns zu fotografieren. Mit seiner tollen Kamera, mit der er hässliche Bilder schoss. Leider! Die Motive waren ja gut. Aber wollen wir mal nicht so sein, immerhin hat er uns umsonst in Cardiff Unterschlupf gegeben. In einer WG, in der niemand so wirklich miteinander spricht und man auf dem Boden schläft (also wir, er hatte ein Bett) und nachts nicht schlafen kann wegen Laptoplicht oder Schnarchgeräuschen. Auch wenn wir von unserem Couchsurfer alles andere als begeistert waren, so hatte er uns doch gute Tipps für Ausflüge gegeben. Den ersten Abend verbrachten wir in Cardiff Bay, der Strandpromenade der Stadt, Neo gab uns auch eine Übersicht über die wichtigsten Gebäude und Orte (spartanisch, viel wusste er auch nicht.) Nachts wird der Ort schön beleuchtet und das Wasser spiegelt die glitzernden Lichter wieder. Dann nach ein paar Bierchen ab ins Bett!
Ein Geburtstag am Meer, damit hatte ich nicht gerechnet. Die salzige Luft ohne gröbere Verschmutzung, Sand zwischen den Fingern, Möwengeschrei, Picknick auf steinigem Felsen, wenige Menschen… haben das triste Wetter einfach weggepustet und glücklich war ich sowieso. Mit meiner Begleitung, dem Fastenbrechen (was ich wirklich exzessiv begangen habe), der Reise, den Geburtstagskarten von zu Hause und meinen Oldies. Der Tag fing an mit taubem Rücken vom auf dem Boden schlafen und einem zuckersüßen, verschmitzten Lächeln aus Lisa K.‘s Gesicht. Ging weiter mit Freiheit vom anhänglichen Couchsurfer und einem langen, ausgedehnten, ausgiebigen Frühstück bei Costa. Müsli mit Joghurt! Scones mit clotted cream und Marmelade! Mocha-Kaffee! Smoothie! Alles toll. Dann Beute holen fürs Picknick, dann Zugfahren von Cardiff nach Barry, ans Meer. Den Tag genießen, heim kommen, ins Café sitzen, Freundschaft genießen. Schön. Dann teuren Rotwein trinken, Film gucken, schlafen. 21 sein.
Der nächste Tag brachte das gleiche Wetter aber eine neue Idee. Eine Reise ins Mittelalter. Mit Zug wieder aus Cardiff raus, nach 20 Minuten nach Caerphilly rein. Wieder eine Kleinstadt, so wie Barry, nur mit Burg und ohne Meer. Aber die alte Ruine ist mitten im Wasser. Erst sind wir einmal drum herum gelaufen, bevor wir den (unausgeschilderten) Eingang fanden. Auf den Spuren alter Burgherren sind wir auf Entdeckungstour durch alte Gemäuer gegangen. Der imaginären Geschichte des Knappen Caer und seiner geliebten Prinzessin Philly folgend durch verwinkelte Gänge, nie endende Treppen, modrige Schlafsäle, einst prunkvollen Hallen und Innenhöfen. Dann wieder langsam zurück, zur Hauptstadt, ins Café, in eine Nudelbar, in einen Pub. Doch sehr relaxed.
Es war schön mal rauszukommen. Vom Alltag und auch aus London. Aber eigentlich habe ich London vermisst, während der Tage in Cardiff. Es ist nun doch mein Stück zu Hause, die Übergangsheimat, der Platz an dem ich mich wohl fühle und lebe. Für noch ca. 131 Tage. Woran mich der Countdown für Olympia auf dem Trafalgar Square immer erinnert (klasse, muss ich mal nicht selbst zählen;) Im Moment überlege ich ja, wann ich fliegen soll. Bald möchte nämlich gebucht werden, damit die Preise noch im grünen Bereich sind. Für olympische Zeit bleiben oder nicht? Karten sind weg, aber da wären all die Events und Konzerte im Hyde Park, also im Vorgarten… Das ist nicht einfach! Und der Sommer in London klingt verführerisch. Da muss ich noch etwas nachdenken.
Traurig war der Abschied. Und seltsam. Nach einer Woche ist man so an seine Begleitung gewöhnt. Und ich hab die beiden Grinsebacken nun mal echt vermisst. Es war so schön, sich richtig auszusprechen, alles raus zu lassen, zuzuhören, sich zu beraten, von der Zukunft träumen, die Vergangenheit widerbeleben, neue Geschichten schreiben, Abenteuer erleben, Zeit zu teilen, Ideen zu diskutieren, in den Arm genommen zu werden. Und plötzlich heißt es tschüss? Für wie lange? Wieso? Und gleichzeitig musste ich schon wieder arbeiten, das war sehr bizarr. Immerhin konnten die beiden Schätze dann noch ein paar meiner Oldies treffen und mich bei der Arbeit erleben. Donnerstagnachmittag hatte ich ja auch frei und wir waren im Hyde Park, Sonne tanken, in der Oxford Street einkaufen und meine Lieblingsgallerie besuchen, die National Portrait Gallery und vorher noch die National Gallery, Vincent, Paul und Claude hallo sagen.
… und dann habe ich noch eine Nacht in meinem eigenen Hotel geschlafen. Natürlich gehört es mir nicht, aber ich wohne ja darin. Trotzdem war ich noch nie im zweiten und dritten Stock und auch im Annex hab ich noch nie übernachtet, aber dank meines herzlichen Besuches kann ich das auch von meiner To-Do-Liste abhaken.
Dann fing Alltag an, morgens Büro, nachmittags Hausbesuch, abends überfressen bei Lina und New Girl gucken. Samstag ausschlafen (endlich!), dann Dare To Differ Vortrag über Interkulturelle Kommunikation, mit ein paar Leuten in den Pub gegenüber auf ein Guinness (St. Patrick’s Day! Meine Liebe für Irland, die Leute und Bräuche ist nach wie vor vorhanden (: ) und abends noch mit Nordlicht-Lina „Wer früher stirbt ist länger tot“ probegucken für die Konfirmanden-Freizeit. Fazit: verständlich auch für Nordmänner und – frauen, aber doch besser mit Untertiteln und endlich haben wir uns auch einen Traum erfüllt: Essengehen im Lieblingspub. Feurige Fajitas für moi und Nudeln mit Meeresfrüchte für Linus. Und fett Nachspeise. Schokoladenkuchen mit warmer geschmolzener Schokoladenfüllung und selbstgemachter Eiscreme. Unbeschreiblich. Wundergut.
Mit diesen leckeren Gedanken verabschiede ich mich in die Nacht. Montag hab ich frei. Vielleicht besuche ich David Hockney und möglicherweise auch ein paar Bekleidungsgeschäfte. Geburtstagsgeld aufn Putz hauen. Weil ich’s kann. ;)
Ich mag die folgenden Bilder. Schöne Zeit.

Themse, mehr südlich als sonst. Bus von Charlotte in die City.
Tschüss erstmal, London+England, hallo Cardiff+Wales. Eine Busfahrt, die war lustig. Eine Busfahrt, die war schön.
Leicht salzige Luft, Möwengeschrei, Sonnenlicht, das langsam erlischt. Schöner Spaziergang zum Cardiff Bay mit:


Noch ein Nachmittag mit den beiden in London verbracht. Gepicknickt, National Gallery und National Portrait Gallery besucht, Sonne auf's Haupt scheinen lassen. Glücksseeligkeit.


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