Ich bin eingezwängt.
Eingezwängt zwischen sofort zu Hause sein und eigentlich gar nicht gehen
wollen. Es wird einfach aber Zeit, dass ich heimkehre. In die Heimat, die eine
solche für 20 Jahre lang war. Denn ich bereite mich seit über zwei Monaten
darauf vor zu gehen. Der Augenblick dafür soll endlich anfangen. Ich bin
bereit. Ich hab meine Liste von oben nach unten durchgearbeitet. Die in meinem
Kopf nämlich. Habe meine großen Vorhaben abgehakt und weitergesucht nach neuen
Abenteuern und Ideen.
Ich habe die Zeit, die ich
hier geschenkt bekommen habe, ausgenutzt und dabei nicht das Träumen und Faulenzen und vor allem Genießen vergessen. Vroni, du Genießerin, sagt Lena zu
mir. Und mal wieder hat sie genau die richtige Beschreibung für mich getroffen.
Egal zu welchem Ort das
Leben mich führt, ich kann ihn genießen, ihn und den Augenblick. Ich kann ihn
einatmen und aufnehmen. Die Augen schließen und ihn festhalten und mir denken,
ja, sollte ich einmal wieder über diese Erinnerung stolpern werde ich noch
genau wissen, wie es sich angefühlt hat.
Ich mach auch jetzt noch
sehr schöne Unternehmungen, wirklich. Aber irgendwie ist die Luft raus. Ich bin
ständig drauf und dran Sachen zum letzten Mal zu machen. Von manchen weiß ich
es wohl nicht einmal. Wohl wache ich irgendwann mal nachts schweißgebadet auf
und denke, mist! dahin wolltest du noch (und nicht etwa, weil zu Hause ein
großartiger Sommer angesagt ist).
Aber dann ist da der Gedanke,
der sofort angeboten wird: du kannst ja wieder kommen. Und das kann ich
tatsächlich. Ich kenne die Stadt. Ein Jahr ist genug dafür. Nicht endgültig,
aber eben erst mal. Wie gerne würde ich
an vielen Orten für ein paar Monate bleiben können, um sie ganz und gar kennen
zu lernen. Eine Woche oder gar nur ein Wochenende Urlaub ist gar nicht genug.
Irgendwann packt mich das
Reisefieber aber immer und ich muss los. Doch im Moment will ich eigentlich nur
ankommen. Weil es sich anbahnt und abzeichnet und es sich mittlerweile eher
mühevoll anfühlt, auch wenn es Spaß macht hier zu sein.
Die Tage fliegen nur so
dahin, seitdem ich nach Irland geflogen bin noch schneller als zuvor. Sicher,
wenn ich dann zu Hause bin werde ich denken, ach, so ein paar Wochen mehr
hätten nicht geschadet. Aber das ist ok. Das heißt dann ja, es war ein gutes
Jahr. Und das war es wirklich. Unglaublich, eigentlich, dass ich wirklich das
gemacht habe, was ich mir erträumt hatte. Ich hab es einfach angepackt und wahr
gemacht. Es ist gut zu wissen, dass ich das kann. Das werde ich mir merken und
später wieder benutzen. Gegen oder für mich selbst. Genauso wie die anderen
vielen Dinge, die ich gelernt, kennenglernt habe.
Man hört das ja so oft
und wiederholt es selbst ständig. So ein Gap-Year prägt, es formt, es zeigt dir
Grenzen und Stärken und Schwächen verändern sich oder zeichnen sich tiefer ab. Man
beschäftigt sich mit sich selbst, mit seinem neuen selbst, mit einer neuen
Umgebung und neuen Situationen. Das klingt abgedroschen und wie Dinge, die man
eben sagen muss, weil das ein gesellschaftliches Faktum ist. Aber manchmal ist
es eben genau das, die Wahrheit.
Jetzt lege ich dann doch
wieder meinen müden Kopf aufs Kissen, der trotzdem nicht richtig schlafen
wollte. Zu viele Gedanken kreisen darin und der einzige Weg sie zum Stillstand zu
bringen ist anzukommen. Dann kann ich wieder ruhig schlafen und die Heimat
genießen. Ich weiß noch genau, wie die sich anfühlt…
Sommer dahoam.
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