Über mich

Mein Bild
Paint a picture, clear cut and pale on a cold winters day, shapes and cool light wander the streets, like an army of strays on a cold winters day. Will you let me romanticize the beauty in our London skies? You know the sunlight always shines behind the clouds of London skies.

Montag, 21. November 2011

vom Land und von Leuten, vom frischen Atem holen.

„Was wünscht ihr euch denn alle zu Weihnachten?“ frage ich so in die Runde beim Abwasch nach einem leckeren selbstgemachten Mittagessen. „Einen Laptop“, „Designerklamotten“, „Ein Chello“, „Ein Pferd, Mami ist noch dagegen aber Papa hat schon fast ja gesagt.“. Das war mit eine der verblüffendsten Situationen auf der Konfirmandenfreizeit. Wir waren 25 Konfis und 4 Erwachsene Betreuer, plus 2 ehemalige Konfirmandinnen (14 und 16, die beiden Mädls waren wirklich zuckersüß!). Was die Konversation oben noch spannender macht: sie wurde mit 12-jährigen geführt. Im Vergleich dazu habe ich meinen ersten Laptop mit 19 bekommen. Die Eltern dieser Kinder haben Geld, davon nicht zu wenig. Vor allem die vom Teil der Londoner Gruppe, die „Oxforder“ sind da etwas weniger „poshy“.

Die Kinder waren alle lieb, versteht mich nicht falsch, ungewöhnlich ruhig auch, aber man merkt den Unterschied, wenn man schön mit Kolping unterwegs ist oder mit den Kindern reicher Professoren und Managern. Abwasch war „total eklig“, Pflanzen anfassen auch. Die Kinder sind auch unglaublich auf ihre Eltern angewiesen. Anstatt in der Mittagspause zu spielen mit anderen haben viele mit zu Hause telefoniert. Zu beneiden sind sie nicht, obwohl sie so viel in der Welt herumgekommen sind und so viele Privilegien genießen. Zahllose Erwartungen liegen auf ihnen, strenge Erziehung und enormer Erfolgsdruck. Eine freie, wilde Kindheit ist nicht möglich.

Dafür sind fast alle komplett Zweisprachig. Zwar mäkeln manche an ihrer deutschen Rechtschreibung aber sprechen können sie es fließend. Generell gilt: "I feel pretty English, though" - Ich fühle mich trotzdem ziemlich Englisch. Wenn sie mal wieder ins Englische abdriften (es ist wohl die "coolere" Sprache), dann klingen sie für meine Ohren unheimlich intelligent. Sie sind auch wandlungsfähiger und kreativer/effektiver in ihrem Arbeiten als andere Kinder in ihrem Alter, dass muss ich ihnen definitiv zugestehen.

Spaß können diese Kinder aber auch haben :) bei Spielen wird einfach jeder weich und die gemeinsame Kochzeit hat auch den Meisten super gefallen. Für mich war auch der Anlass spannend. Ich konnte den Kindern "aus 1. Hand" berichten, was Abendmahl in der katholischen Kirche heißt und wo die Unterschiede sind. Am Sonntag morgen durfte ich auch die Abendmahlsmesse mitfeiern, gemäß der "eucharistischen Gastfreundschaft" und außerdem durfte ich das Brot verteilen und eine Lesung lesen, was doch sehr nach Ökumene riecht? Die drei anderen Erwachsenen waren je eine Priesterin und ein Priester und ein Religionslehrer. Interessant waren also auch die Gespräche mit ihnen, zwei Schwaben und einem Augsburger.

Ich ziehe dennoch meine Pfingsti vor, die Leiter und Kinder dort sind einfach nicht zu schlagen ;) Wobei der Ort, Lambourne End in Essex (1 Stunde außerhalb Londons) wirklich ein Traum ist. Die Cottages stehen auf Farmgelände und die Landschaft wunderschön. Das Wetter war perfekt! Sonntagmittag stand ich mal im T-shirt rum. Die Sonne hat morgens den leichten Nebelschwaden gekitzelt und der Raureif ist langsam vom Gras getropft und man hat die Schönheit der Englischen Countryside in sich aufsaugen können. Und diese Stille… für einen jetzt Stadtmenschen wie mich waren das kostbare Minuten und ich konnte Sonne, Frischluft, Land und Weite tanken. So etwas fehlt durchaus in der Großstadt. Ja, das war mein poshy Landwochenende, natürlich habe ich euch auch Bilder mitgebracht, siehe unten.

Da ich ja am Wochenende gearbeitet habe, steht mir Montag, heute, und Dienstag, morgen, frei zu tun und lassen was ich möchte :) also bin ich nach einem Arztbesuch (Fuß kaputt, wegen neuer Schuhe und zu viel Gelatsche. Aber das wird wieder!), aufgebrochen in die Stadt, bin durch China Town und Soho getigert und habe tatsächlich schöne Weihnachtslichter gesehen! Und zwar im Covent Garden. Eher unspektakulär sonst ist es in der Weihnachtszeit in einen dunkelroten Glitzertempel transformiert. Der große Weihnachtsbaum vorm Apple Market sieht fast aus wie auf einem Weihnachtsmarkt zu Hause und in der Luft hing Zimt- und Glühweingeruch. Die ersten Weihnachtsgeschenke liegen jetzt auch schon in meinem Schrank und warten darauf per Avion nach Deutschland gebracht zu werden um rechtzeitig anzukommen für das schöne Fest.

Langsam scheint auch meine typische November-Unlust/schlechte Laune wieder zu verfliegen. Ein Rauf und ein Runter ist dieses Volunteer-Leben, das könnt ihr mir glauben. Sind die nicht verrückt, die beiden Lisa’s? Schreiben die mir doch glatt, dass sie schon Flüge gebucht haben. Für eine ganze wunderschöne Woche wollen sie mich im März besuchen kommen! Ein Tag davon wird mein Geburtstag sein :)

Und Mama und Papa ließen mich zehn Minuten später wissen, dass auch sie einfach schon den Flug über Ostern gebucht haben! Ich freue mich sehr, wir wollen dann nämlich auch nach Cornwall reisen. Bei so vielen guten Nachrichten, einem tollen Wochenende auf dem Land, zwei freien Tagen, wie kann man da nicht plötzlich einfach wieder glücklich sein?

Friedvolle Grüße, Küsse auf eure Nasen,

Veronika




Unser Anwesen ;) die blaue Tür war unsere!

Pretty Countryside.

Auch poshy Kids können im Dreck wühlen! schön zu sehen :)


Die Enten um den Herz-Teich


Berühmte Sau. Spielt in der englischen Fernsehserie "The only way is... Essex mit". Kein Witz.


Alle paar Sekunden erwartet man Mr. Darcy würde über die Wiese schreiten, wirklich!



Hannah und Veronika entdecken die Farm.

Super-Scrabble-Time im Pub!
Weihnachten?
Weihnachten! Zumindest tut London so, als wär's schon so weit!
China Town
Absolut leerer tube-Wagon an einem Sonntag um 10 Uhr abends, District Line.

Dienstag, 15. November 2011

Laterne, Laterne, Sonne, Mond und Sterne.

Langsam wird es dunkel unter dem herbstlichen Baumdach. Überall gehen Lichter an. Die Laternen sehen aus wie Marienkäfer, Igel, Piraten. Manche sind, so glaube ich, doch tatsächlich selbstgebastelt.

Lina und ich haben uns heute hunderten von reichen, poshy Muttis und Vatis mit McLaren-Kinderwagen angeschlossen und sind St. Martin und seinem Pferd durch den Hyde Park gefolgt. Ja, auch hier feiert man diesen Tag, aber nur, weil es so große deutsche Gemeinden hier gibt. Mit der Gemeinde, die dieses Event ausgerichtet hat, fahre ich nächstes Wochenende auf Konfirmanden-Freizeit. Etwas fehl am Platz findet ihr bin ich da als katholisches Landei? Möglich, ich werde euch berichten! Angeblich fahren die Kinder des Theologieprofessors der Universität Oxford mit – ich bin gespannt.

Dieses Wochenende habe ich sehr genossen. Obwohl wir eigentlich mit anderen erst Schlittschuhlaufen (so teuer :/) gehen wollten, waren Lina und ich am Freitag doch im Lieblingspub. Wir blieben länger als gedacht, weil‘s einfach so schön dort ist, also war der Samstagmorgen gelaufen. Der Nachmittag brachte ein weiteres Feuerwerk an der Themse, da der Lord Mayor wie jedes Jahr eingesetzt wurde und es dazu immer eine große Parade und zur Krönung das Lichtspiel über dem Fluss gibt. Danach waren wir Maxi bei seiner neuen Arbeitsstelle besuchen und haben vorzüglich im Edelpub gespeist und ich hatte so viel Liebe in mir übrig, dass ich meine Leni in Polen angerufen habe, ich glaub der hat’s die Socken ausgezogen, als plötzlich mein Stimmchen zu ihr geweht kam :).

Sonntag haben Lina und ich uns zum quatschen und lesen im Park getroffen. Bei 18 Grad! In London, mitten im November. Ich saß teilweise nur im Pulli auf meiner neuen Primark-Decke. Naja und recht viel mehr ist nicht passiert. Weil ich eine Pause wollte und brauchte. Es hat sehr gut getan und die nächsten 7 Tage können kommen. Der Herbst ist da und der November beweist sich mal wieder als grauer Monat. Langsam habe ich hier sogar Alltagsgefühle! Ja! So als würde ich das hier schon ewig machen. Das ist aber keineswegs eine schlimme Sache - don't get me wrong. Ich liebe es hier. Aber auf Weihnachten freu ich mich noch immer sehr :)


In Liebe,

eure VeronikainLondon


walking the streets of London with Lina, Antonia und Julian
And yet another firework!

People on London Bridge waiting for the exploding fairies alias firework.

Christmas Lights were being lit at Regent's Street by Kelly Clarkson. Hier stehen aber nur Julian und Maxi. Danach waren wir im größten Spielzeugladen Englands: Hamleys. Auch große Kinder finden dort viele schöne bunte Sachen :)

Harrods im Weihnachtskleid. War noch immer nicht drin. Dabei haben die doch eine riesen Weihnachtsabteilung!

St. Martinszug: von wegen die Engländer stehen gerne in Schlangen! Einfach ab durch die Mitte... man sieht den deutschen Einfluss ;)
Lina-Herz und ich im herbstlichen Hyde Park. Nichts schöneres als bei 16 Grad mitte November gemeinsam Harry Potter zu lesen und zu quatschen <3

Und ob ihr's glaubt oder nicht! Das ist der Hogwarts Express!!! Aber im Hyde Park, vor dem Winter Wonderland, dass sie grad riesig aufziehen mit Riesenrad, Schlittschuhbahn und German Weihnachtsmarkt, und nicht in King's Cross.

My blurry self in der Straße zum Lieblingspub mit einem alten, wunderschönen VW-Bus.

Freitag, 11. November 2011

Willkommen im Casa "Veronika & Blog"

Willkommen im Casa Veronika & Blog. Mi casa es su casa.

Meistens bin ich aber ohne ihn unterwegs, keine Angst. Wen ich letztes Wochenende aber dabei hatte außer die üblichen Verdächtigen, Lina und Julian, waren Lisa derKarl und Michael derBruder! Die Zeit mit den beiden war wahnsinnig schön, wirklich. Die Stadt war gut zu uns. Zuerst hat sie uns sich nachts vorgestellt: beim „Jack the Ripper Walk“ – auf den blutigen Fußspuren des Rippers haben wir das East End durchlaufen, einem Guide und vielen Morden folgend. Leider muss ich sagen, ich hatte mir mehr erwartet. Vor allem, weil der Harry Potter Walk letzten Sonntag so toll war! Richard, der Guide dort, war ein wunderbarer Geschichten-Erzähl-Opa. Lina und ich waren so froh, als er sagte, er hätte Kinder. Sonst wäre sein im Schaukelstuhl-sitz-und-erzähl-Talent einfach verschwendet gewesen. Richard weiß alles, fast so wie Mutti. Und er verteilt Sternensticker, wenn man Dinge weiß. Ich hatte 6. :). Streber, sagt Lina da, aber ein Stern war dafür, dass ich „Thestrale“ trotz englischer Fremdsprache wusste und einer, weil ich aus Bayern komme. Lohnt sich, die Herkunft.

Am Samstag war Touri-Tag mit der Familie und abends? Abends war Guy Fawkes Night, das wird hier riesig gefeiert, mit halbstündigem Feuerwerk und einer Guy-Puppen-Verbrennung und Glühwein. Michael hatte seine gute Kamera dabei, deshalb sind die Fotos dieses Mal übrigens so gut ;) Sonntag waren wir im besten Markt der Stadt, Petticoat Market in Brick Lane, und dann haben wir uns noch mehr Sights gegönnt, wie St. Pauls mit seinen „Occupy London“-Demonstranten und die Oxford Street, der Kontrast dazu. Und dann aßen wir den besten Burger der Stadt im Pub um die Ecke.

Als am Freitag plötzlich Lisa vor mir auf dem Bahnsteig der London Liverpool Street Station stand und ich ja „Florian“ erwartet hatte, konnte das Wochenende nur zu gut werden. Und so war es auch. Freue mich immer mehr auf Weihnachten. Diese Woche durfte ich viele hundert Lebkuchen umpacken für unseren Weihnachtsmarkt. Die schönste Aufgabe der Welt, wenn ihr mich fragt. Und das Glühweingewürz, das Michi mitgebracht hat für den Kinderpunsch am Markt, das liegt im Büro und jeden Morgen atme ich tief Weihnachten ein. Die Zeit um den 24. nicht zu Hause zu verbringen könnte ich mir nicht vorstellen. Aber ein weiteres halbes Jahr London danach sehr gut. Die Stadt hat so viel bunten Zauber.

Den Herbstzauber habe ich in Greenwich genießen können. Mit der Y sind wir dahin gefahren und haben uns das Observatorium, das Planetarium und London von oben angesehen. Und, natürlich, den Nullmeridian. Mit dem Boot sind wir nach Fish & Chips auf der Themse zurückgefahren und haben bei Julian und Maxi noch schön gekocht.

Arbeiten tu ich aber auch brav! Habe schon 12 ½ Überstunden. Weil ich viel auf Hausbesuchen bin. Jetzt meist alleine, ohne Udo. Aber das klappt fast noch besser. Immer gibt es guten schwarzen Tee und Kekse oder sogar Kuchen und viele, viele Gespräche. Alte Menschen haben so viel zu erzählen, ich höre so gerne zu! Eigentlich ist es so, als würde man seine Großmütter besuchen. Viele Großmütter. Überall in London. So kann ich wirklich viel von der Stadt sehen, verschiedene Ecken und Viertel und typische englisch Reihenhäuser. Nur die ganzen Informationen, die auch leider nicht immer interessant sind und sich wiederholen, aufzunehmen, das wird anstrengend, wenn man fast jeden Tag unterwegs in London ist. Daher bin ich schon auch sehr froh, wenn endlich Wochenende ist und ich ein bisschen „junge Pause“ habe.

Gestern Abend beim Anglo-German-Circle habe ich einen Vortrag über meine Heimat gehalten :) es waren einige Leute mehr da als sonst, sehr interessiert an Bayern und an meinem Dirndl. Das ganz neue, übrigens, das die meisten von euch noch nicht einmal gesehen haben. Nach meiner Slideshow musste ich noch viele Fragen beantworten und Stimmen wurden laut, ich müsste einen Bayern 2 Vortrag halten. Dann können sie auch ihre vielen Fotoapparate mitnehmen (noch mit Film!). Außerdem waren viele meiner alten Freunde nicht da, deshalb ist eine Wiederholung wahrscheinlich. Frank und Peter sind beide im Urlaub, was ihnen wegen heute Abend fast leid getan hat, sagen sie ;) Die, die da waren wissen jetzt aber alles über Wolpertinger, Weißwürste und wie man sie isst, das Christkind und Altötting und Burghausen.

Dahin und auch überall wo ihr lieben Leute sonst so verstreut seid, schicke ich viel Liebe. Noch keine weihnachtliche Liebe, vielleicht seid ihr noch nicht so weit oder hasst Weihachten (:O) oder findet es ist zu früh (was es ja ist, aber die Christmas-time ist hier schon überall und man kommt nicht aus. Vor allem nicht, wenn man mit Maxi unterwegs ist „och guck mal wie schön die Lichter sind, ich mag Weihnachten, magst du auch Weihnachten? Ich will draußen im Café sitzen, Weihnachtsluft schnuppern“… ;)

Ich drifte ab, so wie Richard manchmal bei seiner Führung. Ich melde mich bald wieder, versprochen. Jetzt kriegt ihr noch Fotos um die Ohren geballert, zwecks Visualisierung.

Ihr seid toll.

eure Veronika Anna.


Halloween hat auch uns nicht ganz verschohnt. Im Lieblingspub.

Fast. Wollte eigentlich raufklettern. hm.


Take me to the candy shop!

Bunter Glitzerstaub zu meinen Füßen



Locken in Greenwich (sprich: grennitsch)


Meine Füße auf dem Nullmeridian.

Lina und Veronika blicken auf ihre schöne Stadt.

Veronika blickt auf ihre schönen Freunde. Two worlds collide. Und es klappt doch wunderbar.



"Occupy London", die englische Antwort auf die Proteste an der Wall Street. Vor der St. Paul's Kathedrale steht eine kleine Zeltstadt. Die hygienischen Bedingungen sind schlecht, ein paar Toiletten haben sie sich beschafft. Von Duschen keine Spur. Es riecht recht streng. Eigentlich wollten die Demonstranten zum Börsenviertel, wurden aber von der Polizei hierer verdrängt. Andere Organisationen haben sich die Demo zunutze gemacht. Das Ziel ist somit leider ein bisschen verfehlt.


Auf dem Brick Lane Markt findest du jegliche nationale Küche. Von Marokkanisch bis Äthiopisch bis zu Spezialitäten aus Lithauen, Myanmar, Mexico, der Türkei und viele, viele mehr.


Hallo Herbst, wie bist du schön!

Guy wird verbrannt und Lichter in den Himmel geschossen.




Windiger Besuch ;) Michael & Lisa in der tube.

Die traurige rote Ampel.


Jack the Ripper Walk. Mit Guide und der London Wall.



<3


"Eichhörnchenarmeed attackieren dich!"

Mittwoch, 9. November 2011

Umzug zum Wohlfühlen.

Liebe Freunde,

wir sind umgezogen, mein Blog und ich. Wir haben uns auf der alten Seite nicht so wohl gefühlt, nicht zu Hause. Alles war so öffentlich und so viele Vorgaben und das Layout, also unsere vier Wände, die waren uns nicht gemütlich genug und zu wenig persönlich.

Außerdem eignet sich so ein Blog herrlich für häufigere Posts, dafür weniger Inhalt. Das ist für uns alle besser. Ich muss weniger nachdenken um in meinem Kopf all die vielen Dinge zu finden, die ich euch doch unbedingt erzählen wollte aber die schon so lange her sind. Und ihr müsst nicht mehr so viel auf einmal aufnehmen und seid nicht völlig entkräftet nach so vielem Gelaber meinerseits.

Und Michael sagt: die Fotos sind größer. Ich kann mehr davon posten. So wie das hier:
by Michael A.
schön hier, oder?

Fühlt euch gedrückt und auf die Nase geküsst,

eure Veronika

Freitag, 28. Oktober 2011

Alltag, der nie alltäglich ist.

Wo fang ich an, wo hör ich auf? Die nächsten Absätze sind sicher nicht nach Datum geordnet, ich hoffe ihr könnt mir trotzdem folgen.

Meine Straße :)Meine Straße

Der „Dare to Differ“ Kurs hat nun begonnen seit meinem letzten Artikel. Das ist ein Angebot meiner Organisation für junge Menschen die vor kurzem nach England gezogen sind, vor allem für die Au-Pairs von In-VIA. Er thematisiert immer wieder andere Aspekte des Lebens in Großbritannien und seine Unterschiede zu Deutschland. Am ersten Samstagnachmittag hielt ein Tweed-Jacke und Hornbrille tragender Journalist einen Vortrag über britische Politik und Korruption. Sehr ehrlich und (fast) unparteiisch erzählte er verschiedensten Schwank und unglaubliche Affären aus längst vergangener Politikgeschichte bis hin zu neusten Entwicklungen und gab persönliche Zukunftsausblicke in Hinsicht auf die Wirtschaft in England und ganz Europa. Wäre der Mann ein Professor an einer Uni, wäre ich glücklich bei ihm in einer Vorlesung sitzen zu dürfen. Es war wirklich spannend endlich mal über eine andere Nation Dinge zu lernen, die man in Deutschland im Sozialkunde-Unterricht tausend mal durchgekaut hat, nur eben ausschließlich über das Land, in dem man sowieso schon so lange gelebt hat.

Poetry Slam mit Birmanischen Reimen

Mit Lina war ich an einem Mittwoch bei einem Poetry Slam in einem Oxfam Büchershop in Marylebone. Wir waren mal wieder etwas spät dran, haben dafür aber auch ohne Studentenausweis den kleineren Eintritt gezahlt. Das herausragendste Ereignis des Abends war definitiv der Poet aus Birma. Er war zum ersten Mal in London, nur wegen dem Event angereist und hat auf seine Muttersprache, Birmanisch, vorgelesen. Alles, was man neben der definitiv asiatisch klingenden Melodie verstanden hat, war einmal das Wort „facebook“... und wie immer, als ich heim ging, habe ich die lebendige Nacht in meiner neuen Stadt genossen. Da mag ich sie am liebsten.
Ich bin so froh für meine Lina hier. Ich habe das Gefühl als würde ich sie schon viel länger kennen als knapp einen Monat. Das macht das Leben weit weg von zu Hause viel leichter, weil man immer jemanden hat, mit dem man Unternehmungen planen kann, dem man Neuigkeiten erzählen und über Kleinigkeiten lachen kann, mit dem man Abenteuer erleben und die Stadt entdecken kann.

freitäglicher Spaß im Pub

Und dank Julian haben wir eines Freitagabends den möglicherweise besten Club der Stadt besucht. Gehört hatte man vom „Koko“ in Camen Town auch schon vorher. Alle Zivis haben in ihrer Sammelmappe darüber berichtet und sind dort auch oft mit Lo-Co hingegangen. Die ganzen jungen und noch relativ unbekannten Bands aus England und auch aus dem Rest der Welt finden dort eine großartige Bühne um sich live zu beweisen. Zusammen mit drei sehr englischen Jugendlichen (George, Shannon and Lewis) haben wir „Live in Film“ und deren Vorband „Dale Earnhardt Jr. Jr.“
. erlebt, wobei die Vorband eigentlich viel besser war. Am tollsten jedoch fand ich die Location. Es sieht dort aus wie in einem kleinen Theater, fast wie in einer Oper. Mit Loge-Plätzen und mehreren Ebenen in einem sehr hohen Raum, alles ist in Rot und Gold getaucht und der Stuck glitzert durch die riesige Discokugel, die den traditionellen Lüster in der Oper ersetzt. Dieser Ort wird mich wieder sehen, ganz bestimmt.

Veronika arbeitend beim Bring & Buy

Wovon wollte ich denn noch erzählen? Ach ja, von unserer ungarischen Woche: Dienstag ist Luncheon Club Tag. Alle paar Dienstage treffen sich die (liebevoll „Y-Mitglieder“ genannten) Oldies zum Lunch bei uns im Hotelrestaurant für ein Zwei- oder Dreigängemenü. Diesen Dienstag gab es passend zum Wochenthema Gulasch (nicht zu scharf für unsere älteren Damen und Herren) und danach einen Film mit Lilo Pulver, der im schönen Ungarn spielt. Obwohl er doch schon ein paar Jahre auf dem Rücken hat fand ich ihn überraschenderweise wirklich lustig, nur mit dem Ende waren wir Zuschauer etwas unzufrieden. Am Mittwoch, dem Musiktag mit Peter, legte selbiger Scheiben ungarischen Musikguts auf. Wir kamen in den Genuss von Brahms‘ ungarischen Liedern, komplizierten Klavierstücken von Franz Liszt, Gypsy-Musik und berühmten ungarischen Volksweisen. Würde Liszt noch leben wäre er diese Woche übrigens 200 Jahre alt geworden ;) ich sag‘s euch, nach diesem Jahr bin ich Klassikprofi erster Güte ;)
Zum Abschluss des Ungarnmarathons hat Udo am Donnerstag dann einen Vortrag über Budapest gehalten mit Bildern von seiner Reise in diese schöne Stadt diesen Frühsommer.


Letztes Wochenende habe ich trotz einer gemeinen Erkältung wieder kaum Zeit im Hotel verbracht. Freitags war Pubtag im Lieblingsschuppen und am Samstag war Freiwilligentag :) Ich hab die liebe Freiwillige im East End besucht. Sie hat mir ihr Seefahrer-Heim gezeigt, den Ort an dem sie arbeitet. Weil sie in einer weniger sicheren Gegend wohnt kann sie abends nicht ausgehen, aber zu zweit ist es kein Problem. So hab ich die tube in ihre Gegend genommen und meine Übernachtungssachen bei ihr in der Wohnung verstaut. Wir wollten uns dann abends mit einigen französischen Freiwilligen in einem Klub nahe King’s Cross zu einer EVS-Party treffen. Genau das haben wir auch getan, mit dem Zusatz einiger deutschen Freiwilligen, die auch gerade in London waren. Es ist immer wirklich interessant, mit anderen über Projekte, Kuriositäten und Erfahrungen zu reden und jeder hat so viel zu erzählen und generell sind die Meisten mit allem rundum zufrieden, was wirklich schön zu hören ist.

Blick vom neuen Shoppingcenter auf das neue Olympia-Stadion

Nicht, dass ihr nach meinen fast ausschließlich positiven Berichten denkt, hier wäre alles perfekt. Das ist es nicht, aber es ist schon ziemlich großartig. Klar vermisse ich Familie und Freunde zu Hause und mittlerweile verstreut in der ganzen Welt und ich habe auch nicht bei allem Glück. Zum Beispiel habe ich seit fast 2 Monaten keinen Internetanschluss bei mir im Zimmer. Genau wie die Zivis vor mir. Sie mussten sich in einen für alle Hotelangestellten zugänglichen Gemeinschaftsraum setzen und das Internet für die Hotelgäste für teures Geld nutzen. Das hat natürlich immer wieder Probleme gemacht und wirklich privat ist das nicht und wie gesagt, es würde auch ziemlich ins Geld gehen. Im Moment regt sich aber ein Hoffnungsschimmer. Der Hausmeister hat den Vorschlag gemacht, mir eine Leitung ins Zimmer zu legen, ausgehend vom Büro, sodass ich eben diesen Internetanschluss mit nutzen kann. Auch wenn der Technikbeauftragte dagegen ist, sieht das im Moment als mögliche Lösung aus, was eine unglaubliche Erleichterung wäre. Ich wünschte es wäre nicht so, aber man ist heutzutage einfach sehr abhängig von Internet (Kontakt nach Hause zu Freunden und Familie, Treffen mit Leuten in London ausmachen, News nachsehen, prüfen, welche U-Bahnen mal wieder geschlossen sind, was man am Wochenende machen kann…)

Diese Woche am Donnerstag steht ein weiteres großes YMCA-Event an. Drei Oldies werden ihre neue Show präsentieren. Seit sechs Jahren gibt es zweimal im Jahr eine neue Themenshow, deren Erlös an eine Charity-Organisation gegeben wird. Mit Witz, Charme und Verkleidung wissen die drei Männer genau, wie sie ihr Publikum zum Lachen, Staunen und Spenden bringen ;) ich bin an dem Tag die Beauftragte für die Kamera und werde alles auf Film festhalten, beinah professionell ;). Deshalb habe ich auch bei den Proben schon vorbeigeschaut und der wunderbare Frank hat nur für mich „Imagine“ von John Lennon zum Besten gegeben. Das war wieder so ein kleiner, schöner Moment in dem ich gemerkt habe, wie besonders dieses Jahr ist und welch ein Glückspilz ich doch bin, dass ich hier sein darf. Wobei es nicht nur Glück ist. Glück ist auch, was man aus den Chancen macht, die man kriegt.

Zum Schluss noch ein paar unwichtige Kleinigkeiten über mein Leben, die euch möglicherweise zum Schmunzeln bringen. Ich jedenfalls amüsiere mich meist selbst über diesen Firlefanz:
1. Ich habe einen Kühlschrank in meinem Zimmer, der durchaus Essbares enthält, allerdings nicht im Sinne seines Daseins. Ich missbrauche ihn als Vorratsschrank für leckere englische Kekse, Gummibärchen, Obst und meine Getränke. Bei so viel Essen in der Kantine wäre es pure Energieverschwendung, ihn ans Stromnetz anzuschließen und so nimmt er nicht bloß Platz weg sondern verschafft mir mehr Raum für all den Kram, den ich hier anhäufe.
2. Von meinem Zimmer aus kann ich hinter der gegenüberliegenden Häuserreihe einen Kirchturm hervorragen sehen. Allerdings gehört er keineswegs zu einer Kirche. Er ist an ein Wohnhaus gebunden. Die Gemeinde wollte kein Geld dafür ausgeben, das ehemalige Gotteshaus zu restaurieren und hat es folglich einfach so umgebaut zu einem Achtzigerjahre-Wohnungsbau und den Kirchturm aus nostalgiegründen behalten.
3. Da ich kein Internet in meinem Zimmer habe und das im Büro nur in den Mittagspausen nutzen kann, schreibe ich meine Mails immer Abends auf meinem Laptop, der damit immerhin einen Zweck hier erfüllt und nicht verstaubt rumsteht. Ich speichere die Nachrichten dann auf meinen USB-Stick und kopiere die Texte vom Word-Dokument in die Nachrichtenfelder, sodass ihr Rauchzeichen von mir empfangen könnt. Die Not macht erfinderisch ;)
4. Wenn ich zum Supermarkt oder zur Post im Queensway gehe bin ich im Libanon und wenn ich mich aufmache zu meiner Bank in der Edgewear Road, bin ich in Ägypten. In jedem Viertel gibt es eine andere Nationalität, deren Immigranten mehr oder weniger alle auf einem Fleck wohnen. Bayswater/Paddington, mein Viertel, ist fast Klein-Arabien. Überall sieht man Schischa-Cafés, arabische Schriftzeichen über englischen Erklärungen und libanesische Restaurants. London ist eine Stadt, die aus vielen Ländern besteht. Der Londoner ist jemand anderes als ein Engländer.
5. Mittlerweile trinke ich viel lieber guten englischen Tee mit Milch als Kaffee. Dafür einige Tassen mehr davon am Tag.
6. Nächstes Jahr darf ich den Londoner Bürgermeister mitwählen! Man muss sich zwar anmelden aber jeder, der in London zur Zeit der Wahl einen Wohnsitz hat, darf mitbestimmen. Dieses Mal ist die Wahl ein besonders wichtiges Event. Der Gewinner ist Bürgermeister während der Zeit von Olympia und dieses Prestige möchten natürlich viele für sich beanspruchen.
7. Die einzigen Produkte, die in diesem Land wirklich billiger sind als anderswo, sind pharmazeutische.

Ganz zum Ende möchte ich jetzt noch kurz meine Eltern grüßen, die wohl größten Fans dieses Blogs ;)

Ein kleiner Nachtrag: Gestern war ein Jubeltag; habe endlich eine wireless-Verbindung in meinem Zimmer. Bin jetzt überfordert mit all den Umlauten die ich wieder habe und weiß gar nicht so recht, was ich mit dem world wide web denn nun anfangen soll ;)

Dienstag, 11. Oktober 2011

New English Adventures.

Hallo Freunde der Sonne,

Ja, das Lieblingssmalltalk-Thema des Engländers ist definitiv das Wetter und darüber ließ sich in letzter Zeit tatsächlich nur Positives berichten. Sechs Tage lang kam England letzte Woche in den Genuss des so genannten Indischen Sommers, wie man hier den Altweibersommer nennt. Mit bis zu 29 Grad wurden wir beglückt und mein dritter oder vierter englischer Sonnenbrand seit einem Monat ließ nicht lange auf sich warten. Was sich anfühlte wie ein 3. August war in

Wahrheit der 3. Oktober (passend zum Tag der deutschen Einheit hatte ich meinen freien Tag mit Einkäufen in der Oxford Street und dem wunderbaren Sonnenschein im Hyde Park verbracht.), aber ab nun geht es wettertechnisch bergab, wie man munkelt und angeblich steht ein äußerst kalter Winter bevor. Vor allem weil hier der Wind so schneidend ist, wenn er durch die vielen Gassen pfeift.

ugly Bradford

Ein paar Wochen sind schon wieder ins Land gezogen und schon wieder gäbe es viel zu viel zu berichten. Also keine Zeit vertrödeln, lasst uns anfangen mit weiteren Abenteuern der Veronika in London:
Mein Projekt „London Connection“ (Lo-Co) hat endlich begonnen und einen erfolgreichen ersten Freitagabend hinter sich gebracht :) zusammen mit einigen lieben Mädls sind wir zur Bowling- und Schlittschuh-Bahn im Queensway getigert und haben versucht, möglichst viele Kegel umzuwerfen. Ich persönlich bin wohl nicht sonderlich begabt in dieser Sportart aber nichtsdestotrotz hatte ich einen sehr lustigen Abend der im Pub gegenüber dem Hotel, in dem ich nun seit 1,5 Monaten wohne, mit einem gemütlichen Cider geendet hat.

Veronika mit den beiden lieben Oldies Frank und Marion

Etwas unglaublich aufregendes habe ich übrigens auch schon erlebt: habe den noch verbliebenen Teil der großen Beatles gesehen: Paul McCartney und Ringo Starr!!! Da schlug mein Beatles-Herz bis nach oben zum Hals, meine Lieben, das könnt ihr mir glauben! Es war an einem Sonntagvormittag und ich habe beim Frühstück in der Kantine übers Fernsehen mitbekommen, dass Sir Paul an dem Tag das dritte Mal in seinem Leben heiraten wird und zwar im Marylebone register office. Wo genau das ist wusste ich nicht aber, dass es in meiner Nachbarschaft ist. Auch wenn ich nicht damit rechnete es noch dahin zu schaffen habe ich mich zumindest in die Richtung in den Bezirk Marylebone begeben, da ich dem Regents Park sowieso seit einiger Zeit mal einen Besuch abstatten wollte. Aber da, tatsächlich, als ich gerade in eine Straße in Richtung des Parks biegen wollte sehe ich einen Menschenauflauf und viele Kameras und Polizisten… zusammen mit einigen Leuten die eher zufällig vorbeikamen stand ich dann also gegenüber des besagten Gebäudes und habe mit Spannung beobachten können wie Zäune für Schaulustige und Kamerastative aufgebaut wurden und nach und nach die wenigen (15 an der Zahl) Gäste eintrudelten. Darunter auch: Ringo und seine Ex-Bond-Girl Frau (auch wenn zwei blonde Schwedinnen hinter mir die ganze Zeit „Eric Clapton!! Eric Clapton!“ gebrüllt haben :D es war definitiv Ringo :D) und wie ihr an dem Beweisfoto sehen könnt: auch Sir Paul und seine da noch Verlobte sind mir nicht entgangen! Um den Beatles-Tag für mich noch abzurunden bin ich durch Zufall danach am Beatles Shop vorbeigelaufen :)

wunderschoener Apfelbaumgarten

Arbeitstechnisch stand auch ein größeres Ereignis an. Der Bring & Buy fand statt in unserer hoteleigenen Lancaster Hall. Zwar hatten Udo und ich am Tag zuvor schon alle Tische zurechtgerückt und fast alle Tüten und Kisten vom Keller nach oben geschleppt, aber die ganzen „bits and pieces“ mussten nun noch ausgepackt, sortiert, aussortiert und aufgebaut werden. Den Nachmittag verbrachte ich hinter der Essensausgabe zusammen mit dem wunderbaren Engländer Frank, einem unsrer treuesten Oldies. Es gab „German cake“, Brezen, Kartoffelsalat und Bratwurst, Frankfurter und sogar: Weißwurst (von einem bayrischen Mädl getestet und tatsächlich für genießbar befunden!) Ich selbst habe mir natürlich auch ein paar Kleinigkeiten vom Wühltisch gehamstert. Vor allem wieder Bücher, sodass ich mittlerweile in meinem Zimmer fast schon eine kleine Bibliothek aufmachen könnte. Ich sollte vermutlich endlich mal anfangen die alle zu lesen. Aber in dieser aufregenden Stadt kommt man kaum zu ruhigen Minuten. Genau das kann ich aber sehr genießen müsst ihr wissen. Ich gewöhne mich richtig an mein Stadtleben und möchte es vorerst nicht missen. Außerdem komme ich manchmal doch raus aus London, wie ihr gleich lesen könnt.

Chartwell House

Abenteuer außerhalb von London:
Am 1. Oktober stand der 151. Jahresausflug der German YMCA auf dem Programm und dieses Jahr führte er meine Oldies, einige Au-Pairs, die Angestellten meiner Organisation und mich zu den Chartwell und Rowfant Houses. Beide stehen in Verbindung mit Winston Churchill, jenem beliebten englischen Politiker zur Zeit des 2. Weltkrieges. Um mit den Worten Churchills zu beginnen: „A day out of Chartwell is a lost day“. Und das ist ganz verständlich. Wunderschöne Felder umringt von Baumgruppen, Seen, Bächen und Tümpel liegen auf dem Anwesen, welches von einer Mauer aus dem beliebten roten Ziegelsteinen umringt wird. Der, typisch englisch, glattgemähte Rasen passt perfekt zu dem großen, alten Backsteinhaus. Nachdem wir uns im noch original möblierten Haus, das nun ein Museum ist, umgesehen hatten und unser Wissen rund um die Politgröße erweiter haben, verbrachten wir den Rest der Zeit gemütlich herumwandernd in Lady Churchills Rosengarten, dem Tierfriedhof, am Teich und bei den Statuen, dem Apfelbaumgarten und Winstons Atelier. Der gute Mann konnte nicht nur zeichnen und malen, sondern auch schreiben (er war Träger des Nobelpreises für Literatur!) und vor allem viel Wissen sammeln und Menschenmassen für sich gewinnen. Auch sein Geschmack für Häuser ist unbestreitbar vorzüglich. Nach diesem schönen Nachmittag brachte uns der Bus weiter zum Rowfant House, wo ein perfekter Afternoon Tea mit typischen Spezialitäten (English scones und cakes ) auf uns wartete. Im anschließenden ökumenischen Gottesdienst wurde mir wegen der Tradition aus Zivi-Zeiten die Ehre zuteil, die Lesung zu lesen, wofür ich von meinen Oldies für meine Aussprache sehr gelobt wurde (Pharisäer auf Englisch aussprechen habe ich zuvor noch fleißig geübt ;).

Medienevent von hinten

Letzte Woche bin ich dann auch meiner „Pflicht“ als Europäischer Volontärin nachgegangen und habe mich in einen Zug von London, King‘s Cross, nach Bradford gesetzt (leider nicht in den Hogwarts Express…), zum On-Arrival-Training. Bradford selbst ist eine unglaublich hässliche Stadt aus der Zeit der Industrialisierung. Die Leute auf den Straßen scheinen sich nur um sich selbst zu kümmern und nehmen ihre Umgebung so hin, wie sie sie schon immer gekannt haben. So waren auf einem Festival, welches als Stadtfest gedacht war, kaum Leute da und die meisten Häuser sehen heruntergekommen und leer aus. Das Hotel in dem wir die beiden Nächte verbrachten und das Essen dort war aber äußerst fein und auch das National Media Museum ist wirklich empfehlenswert. Nur schade, dass man so viele brillante Ideen und Ausstellungen in eine Stadt baut, die keine große Zukunft und vor allem keine Besucher dafür hat. Sieben Stockwerke voll mit gut überlegten, oft interaktiven Erlebnissen haben mehr verdient als 15 Besucher (so viele Freiwillige waren wir auf dem Seminar). Aber auch dieser Ort ist ein Teil Englands und kein unbedeutender. Dort standen die größten Stoff- und Wollfabriken von Großbritannien und die Fabrikgebäude stammen teilweise noch aus den Zeiten der industriellen Revolution. Immerhin konnten wir abends schön das Tanzbein schwingen, nachdem wir über Rechte und Pflichten von Freiwilligen informiert wurden und uns näher mit dem Land, in dem wir noch ein bisschen verweilen dürfen, beschäftigt haben. Zum Beispiel durften wir englische Spezialitäten ausprobieren wie Iron Brew, Victoria Cakes, Pork Pies, Marmite und vieles mehr und Bob, der Trainer, hat uns mit den verschiedensten Akzenten und Slangs verwirrt, die man so finden kann in der UK. Selbst wenn man durch vorherige Seminar schon einiges wusste über das EVS, so konnte ich doch noch ein neues Wissen anhäufen.

Sir Paul und seine hier noch Verlobte

Aus Zeitgründen liste ich hier nur stichpunktartig noch ein paar Ereignisse auf, die sich seit dem letzten Lebenszeichen aus Londinium noch ereignet haben:
- Ich habe die Tate Modern, ein Museum für Moderne Kunst, zusammen mit Lina, ihrer Mutter und deren Freund nachts besucht. Der Ausblick von den Balkons aus auf die Themse und die St. Pauls Cathedral war unbezahlbar, sowie der Spaß den es macht, dort selbst zu malen auf eine der vielen dafür bereitgestellten weißen Postkarten. Bei diesem Museum werde ich definitiv noch einmal vorbei schauen (im Moment läuft dort eine Gerhard Richter Austellung!).
- Obwohl wir die offizielle Krönung von Rapunzel zur Disney-Prinzessin im Schloss von Princess Diana ganz knapp verpasst haben, so konnten wir noch viele als Prinzessin verkleidete Mädchen in den Kensington Gardens spazieren gehen sehen. Nicht wenige von den süßen Püppchen hatten sogar einen farblich passenden, unechten Zopf bis zum Boden, der das Laub auf dem Boden der herbstlichen Parkwege aufwirbelte.
- Mit Karolin, einer sehr lieben Freiwilligen aus dem East End unterwegs und in „Little Venice“, an einem Arm der Themse entlangwandernd, habe ich mir gedacht, es wäre doch schön ein paar Wochen auf einem Hausboot zu wohnen. Wunderhübsch sehen die liebevoll bemalten langen dort Boote nämlich aus, mit ihren vielen Pflanzen als Gartenersatz am Ufer, den kreativen Namen und spannenden Bewohnern, die jedem Wetter trotzen.
- Ein tube-Automat hat meinen schönen zwanzig Pfundschein gefressen! Aber dank der Hilfe der wirklich immer netten Servicekräfte habe ich das Geld (nach einigen Minuten Wartezeit) wieder auf meine Oyster-Karte gebucht bekommen und dazu noch tausend Entschuldigungen des Managers. Höflichkeit ist hier sowieso Goldwert. Es kann gut mal vorkommen, dass man bei einem einfachen Einkauf fünfmal thank you hauchen muss um dem englischen Standard zu entsprechen und man kommt wunderbar durch die Stadt wenn man nur die paar Worte kennt: „thank you, sorry, excuse me“ und „please“ :)

Boote im Little Venice Kanal

Ich werde es einfach nicht müde, eben diese Stadt und ihre vielen Geheimnisse und Gesichter zu entdecken und mache mir berechtigte Sorgen, dass ein Jahr wohl nicht genug dafür ist. Zumal ich auch von dem Land England, eigentlich von der ganzen UK auch so Vieles wie möglich sehen will! Wenn man die richtigen Tipps und Tricks kennt kann man sogar hier unglaublich billig verreisen. Das, und wohin man unbedingt fahren sollte, habe ich auch beim EVS-Training gelernt und jetzt nagt das Reisefieber an mir :)
Vorerst bleib ich aber noch hier, es gibt ja noch genug für mich zu tun in meinem aufregenden London.

der Ausblick vom Tate Modern Balkon nachts

Liebe aus der großen Stadt,
Veronika