Das aufregendste Erlebnis des Tages war der Besuch auf dem Schiff „Geest Trader“, dieses kleine Containerschiff (meist um die 100 Container) pendelt zwischen Rotterdam und London und einem weiteren englischen Hafen. Die äußerst freundliche Crew besteht aus Philippinos, der 1. Kadett ist Russe, der 2. Ukrainer und der Kapitän ist deutsch-Italiener. Hasso, so heißt er, lud uns zum Essen auf dem Schiff ein. Sein Koch, Alexander (Cap Verde), hat uns mit Fisch verwöhnt und der wohl größten Eiscremschüssel, die er finden konnte. Hasso kommt aus Rom, hat einen deutschen, adeligen Vater und liebt Bayern. Er hat geradezu von uns geschwärmt, vor allem von der Gastfreundlichkeit und dem Kloster Andechs ;).
Nach dem Essen sind wir auf die Bridge geklettert und haben der Crew und dem riesigen Hebekran zugesehen, wie sie das Schiff langsam entluden. Die Seemänner sahen dabei aus wie die Umpalumpas in Roald Dahl’s „Charlie und die Schokoladenfabrik“ :D wegen der orangen Ganzkörperanzüge und weil Philippinos generell nicht groß von Gestalt sind ;)
Noch zwei Fakten für euer unnützes Wissen: auf Schiffen aus Skandinavien sind Saunen gesetzlich vorgeschrieben, und: Chinesen und Russen sind schlechte Seeleute.
Was hab ich noch so angestellt? Ich war mit Lina bei Harrods an meinem freien Dienstag (wegen dem Konfi-Wochenende habe ich zwei Tage frei bekommen :). Was ein Konsumtempel. Der ganze Kitsch und Reichtum glitzert nur so von den Wänden und Schaukästen. Es ist, wie Lina so schön sagt, ein Museum mit Preisschild. Die Weihnachtsabteilung, die 356 Tage im Jahr offen ist war so vollgestopft mit Kram, man fragt sich wer das kaufen soll. Klotzen statt kleckern ist die Devise. Sogar eine Harry Potter Abteilung haben die da neu eröffnet! Wo man Harrys, Rons, Dumbledores, Snapes, Jedermanns Zauberstab kaufen kann, Hogwartsumhänge, alle Filme und Bücher in allen Farben und Formen und und und. Das Geschirr war wunderschön, dass sie da hatten. So wie die Essensabteilung, 500 verschiedene Käsesorten. Von der Schokoladenabteilung fange ich nicht an. Sonst muss ich weinen ;)
Samstag waren wir kurz in Indien und wieder zurück. Wir haben mit den Au-Pairs den Neasden Tempel besucht, den größten Hindu-Tempel außerhalb Indiens! Er war sehr schön, vor allem außen, wenn man den ganzen bunten, glitzernden Kitsch ausblendet, der sich doch überall einschlich. Die stehen auf ihren knallbunten Stil, diese Inder. Passend dazu waren Lina und ich noch schön indisch essen an der Brick Lane. Lecker! Scharf!
Feiern waren wir auch mal wieder, haben quasi Julians Flehen erhört. Zu 5. (Lina, Julian, Svenja, Lea und Janina (ein echtes Tiroler Madl :D)) sind wir erst in Camden Town „puben“ gegangen. Und dann in einen Jazz-Club, der an dem Tag aber 80’s Thema hatte. Spaß hat es gemacht, zu Cindy Lauper, Eye oft he Tiger, Michael Jackson und all den andern Knalltüten zu tanzen!
Der Sonntag danach war wieder ruhig. Ausschlafen, Wäsche machen, Tube nehmen zur Tate Modern, wieder nicht reingehen nur in den Shop (bester Museumsshop der Welt!) und dann an einen „German-style Christmas Market“ entlang der Themse getigert. Alle Weihnachtsmärkte hier sind von den deutschen Nachbarn abgeschaut. Gar nicht mal so schlecht, aber Glühwein in Bechern geht einfach mal gar nicht ;) und das mit den Gewürzen müssen sie auch noch üben. Riesenbratwürste gibt’s, sowie Lebkuchen und Räuchermanderl, aber auch allen möglichen anderen Kram, den man auf jedem Londoner Straßenmarkt findet.
Eine kleine Premiere gab es noch. Am Donnerstag beim wöchentlichen Anglo-German-Circle hatten wir zum ersten Mal seit ich da bin einen „Faith Talk“. Dabei werden immer Redner eingeladen, die den verschiedensten Religionen und Konfessionen angehören. Am Donnerstag war die Bischöfin der Lutheraner in England zu Gast. Eine unglaublich spannende Persönlichkeit, wie ich beim Dinner vor dem Talk feststellen konnte. Sie hat estnische und litauische Wurzeln und singt in einem Frauenchor der Lieder aus dem 17. Jahrhundert singt. Sie musste früher weg, da ihre Töchter in Shoreditch ein Konzert mit ihrer litauischen Folk band in einem In-Club hatten. Da ich auch von der Lutheraner-Kirche in England wenig bis gar nichts wusste, wurde auch diese Wissenslücke gefüllt.
Wie ihr seht, meist ist Veronika busy. So busy, dass sie kaum zu ruhigen Minuten kommt. Letzte Woche war vollgestopft mit Unternehmungen und Arbeit und ich hab das leise Gefühl, die nächsten beiden Wochen werden nicht anders. Der Weihnachtsmarkt der YMCA steht am Samstag, 3. Dezember, an und ist das größte Event des Vereins im Jahr. Natürlich darf dann das kleine Voluntärchen, das ich bin, all seine Kraft dem höheren Glitzer-Glühwein-Zwecke spenden. Ab Mittwoch wird aufgebaut, juhei! Seit Wochen bin ich schon am Lebkuchen, Pfeffernüsse, Dominosteine… auspacken, zählen, schleppen. Der Geruch ist wie Balsam auf meiner Weihnachten-liebenden Seele.
Frohen 1. Advent euch allen! Mein Nikolaus Paket ist schon angekommen mit lecker Alber-Würstl :D, Marzipankartoffeln, Nüssen einem kleinen Geschenk und einem Schoko-Nikolaus, der natürlich eine Mitra trägt und keine Bommelmütze! Und ein süßes Briefchen vom Schwesterherz war auch dabei, danke Liselott :)
Love, Veronika.




